Kosmetik

Happy Aging: Wie die Kosmetikbranche den Pflegemarkt für ältere Menschen neu entdeckt

Veröffentlicht am 26 Oktober 2018 Lesen 25 min

Ältere Menschen stellen eine Zielgruppe mit hohem Potenzial für die Kosmetikindustrie dar. Der Anteil der Bevölkerung, der 60 Jahre oder älter ist, wird sich bis 2050 um das 2,5-Fache erhöhen und dann 33 % der Weltbevölkerung ausmachen. Darüber hinaus bleibt die Kaufkraft älterer Menschen hoch, und sie sind konsumfreudiger, da sie den Wunsch haben, ihr Leben nach dem 60. Lebensjahr neu zu genießen. Nachdem ältere Konsumenten lange Zeit mit Anti-Aging-Produkten angesprochen wurden, möchten Kosmetikhersteller sie nun mit dem Konzept des „Happy Aging“ bzw. „Healthy Aging“ begeistern. Doch welche wissenschaftlichen Grundlagen stützen dieses Konzept? Welche Marken positionieren sich bereits im Bereich Happy Aging und welche Produkte bieten sie an?

Vom Anti-Aging zum Pro-Aging

Traditionell bestand der Anti-Aging-Markt aus einer Vielzahl von Produkten, die Alterungserscheinungen kaschieren oder korrigieren sollten. So bietet allein die Marke DIOR über 20 verschiedene Anti-Falten-Cremes an. Doch mittlerweile verlagert sich das Interesse der Verbraucher zunehmend von der Vorbeugung des Alterns hin zu einem besseren Altern. Dieser Wandel im Denken, den die Kosmetikhersteller erkannt haben, hat zur Etablierung des Konzepts „Pro-Aging“ geführt, das die natürliche Schönheit älterer Haut mit speziell abgestimmten Produkten unterstützen soll.

Die biologischen Mechanismen des „gesunden Alterns“ verstehen

Die Haut unterliegt zellulären und molekularen Veränderungen, die für den Alterungsprozess verantwortlich sind, wie eine verlangsamte Zellregeneration, eine verminderte Fähigkeit, Feuchtigkeit zu speichern, sowie eine erhöhte Sensibilität. Silab – ein Anbieter von Wirkstoffen für die Kosmetikindustrie – hat sich intensiv mit dem Thema „gesundes Altern“ befasst. In einer Verbraucherbefragung hat Silab vier Hauptparameter identifiziert, die gut gealterte von schlecht gealterter Haut unterscheiden: Feuchtigkeitsgehalt, Festigkeit, Faltenfreiheit und Strahlkraft des Teints. Im Rahmen einer Studie verglich Silab das genetische Profil der Zellen von gut und schlecht gealterter Haut und identifizierte drei biologische Signalwege, die den Unterschied ausmachen: Zellproliferation, Zellmigration und Zelladhäsion. Auf Basis dieser Erkenntnisse entwickelte Silab den Wirkstoff Wellagyl, der die genetischen und funktionalen Eigenschaften schlecht gealterter Hautzellen wiederherstellen soll.

„Pro-Aging“-Produkte für spezifische Bedürfnisse

Sowohl große Konzerne als auch kleinere Unternehmen der Kosmetikbranche zeigen ein wachsendes Interesse am Konzept des „gesunden Alterns“. Es werden zunehmend Produkte entwickelt, die gezielt auf die biologischen Bedürfnisse reifer Haut eingehen. Beispielsweise soll das Blue Serum von Chanel zentrale Mechanismen der Haut-Langlebigkeit wiederherstellen, insbesondere die zelluläre Energiegewinnung, den Stoffwechsel der Zellen, die Anpassung an Zellstress sowie die interzelluläre Kommunikation. Die Pflege Advanced Génifique Sensitive von Lancôme richtet sich gezielt gegen Hautempfindlichkeit, die zu einem entzündlichen Zustand führt und dadurch den Alterungsprozess beschleunigt. Lessonia hat einen neuen Wirkstoff namens Healthyskin entwickelt, der die Feuchtigkeit reifer Haut stärken soll.

Andere Marken verfolgen einen ganzheitlicheren Ansatz – so zum Beispiel das amerikanische Unternehmen BOOM, ein Vorreiter im Bereich Pro-Aging, das eine Produktreihe anbietet, die „für Frauen entwickelt wurde, die ihre authentische Schönheit auf ehrliche und realistische Weise zeigen möchten“. Auch Dermapositive bietet unter dem Begriff „positive Anti-Aging-Kosmetik“ Produkte an, darunter Seren, die über Düfte das emotionale Wohlbefinden fördern und das innere emotionale Gleichgewicht wiederherstellen sollen, um den Alterungsprozess angenehmer zu gestalten.

„Ziel ist es, Produkte zu entwickeln, die die mit dem Altern der Haut verbundenen Prozesse besser berücksichtigen und unterstützen, ohne das natürliche Funktionieren der Haut zu stören“, fasst Vincent Pessey, Projektleiter bei Alcimed, zusammen.

Mit dem Konzept des „Happy Aging“, das darauf abzielt, die Akzeptanz des eigenen Alters zu fördern, scheint die Kosmetikindustrie einen neuen Ansatz gefunden zu haben, um den Pflegemarkt für ältere Menschen auf andere Weise zu erschließen. Der derzeitige Trend zu Pro-Aging-Hautpflegeprodukten markiert lediglich den Anfang einer Entwicklung, die sich rasch auf weitere Segmente wie Make-up und Haarpflegeprodukte ausweiten könnte.

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