Eine mehrstufige Partnerschaftsstrategie
Die Entwicklung von Ryoncil™ ist von aufeinanderfolgenden Partnerschaften geprägt, die in den jeweiligen Entwicklungsphasen eine entscheidende Rolle spielten. 1993 wurde die Technologie zur Isolierung humaner MSCs aus dem Knochenmark von Erwachsenen von der Case Western Reserve University an Osiris Therapeutics übertragen, um sie für die kommerzielle Skalierung weiterzuentwickeln. Im Rahmen einer Partnerschaft mit Novartis durchlief das Produkt klinische Studien, hatte jedoch Schwierigkeiten in Phase III. 2013 erwarb Mesoblast das Stammzellportfolio von Osiris und ging 2019 eine Partnerschaft mit Lonza Pharma & Biotech für die kommerzielle Herstellung ein, die letztlich zur FDA-Zulassung von Ryoncil™ beitrug. Anschließend setzte Mesoblast seine Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern fort. 2025 ging das Unternehmen eine Partnerschaft mit dem Blood and Marrow Clinical Trials Network ein, um die Identifizierung geeigneter Patienten zu unterstützen und Ryoncil™ im Rahmen einer gemeinsamen Phase-III-Studie auf den Erwachsenenmarkt auszuweiten. Insgesamt verringerten diese Partnerschaften das Risiko eines Scheiterns in späten Entwicklungsphasen und ermöglichten eine breitere Versorgung.
Strategische Partnerschaften: vom Labor bis zum Markt
Forschungspartnerschaften zur Identifizierung und zum Zugang zu Patienten
Die Entwicklung von Ryoncil™ zeigt, dass enge akademisch-industrielle Partnerschaften die Entwicklung neuer Therapien unterstützen und Herstellern zugleich helfen, die relevanten Patientengruppen zu erreichen. So gründeten beispielsweise Thermo Fisher Scientific und die University of California, San Francisco, gemeinsam ein Kooperationszentrum für Zelltherapien. Dieses Zentrum fördert die Herstellung und Entwicklung von Zelltherapien und ermöglicht Biotech-Unternehmen und großen Pharmaunternehmen den direkten Zugang zu den Zelltherapie-Tools von Thermo Fisher. Gleichzeitig soll Patienten des UCSF Medical Center der Zugang zu Zelltherapien erleichtert werden . Ebenso arbeiten das Toulouse University Hospital und Cell-Easy im Rahmen der AMUSE-Phase-I/II-Studien zur Behandlung der systemischen Sklerose mit MSCs zusammen. Diese Partnerschaften tragen, ebenso wie die Partnerschaft zwischen Mesoblast und dem Blood and Marrow Clinical Trials Network, dazu bei, die Identifizierung und Aufnahme geeigneter Patienten zu optimieren.
Herstellungspartnerschaften für die industrielle Skalierung
Partnerschaften im Bereich der Herstellung sind für die Skalierung allogener Therapien von entscheidender Bedeutung, wie das Beispiel von Mesoblast und Lonza zeigt. Nach diesem Modell ging der Zelltherapiehersteller Cytiva ab 2022 eine Partnerschaft mit Bayer ein, um eine geschlossene Plattform für die Herstellung allogener Therapien zu entwickeln. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wurden die Erfahrung von Bayer in der Prozessentwicklung mit der Technologie- und Verbrauchsmaterialkompetenz von Cytiva kombiniert, um einen neuen Produktionsansatz auf industriellen Maßstab zu bringen. Ebenso möglichte die Übernahme von Poseida Therapeutics durch Roche im Jahr 2024 eine Plattform für sofort verfügbare CAR-T-Therapien. Da immer mehr Hersteller allogener Therapien eine FDA-Zulassung anstreben, sind Partnerschaften mit größeren Organisationen für die Skalierung zunehmend entscheidend geworden.
Das Feld der allogenen Therapien entwickelt sich somit zu einem partnerschaftlich geprägten Ökosystem, das Biotech-Innovationen mit industrieller Umsetzung verbindet.
Herstellung im großen Maßstab: Best Practices zur Überwindung der größten regulatorischen Hürde
CMC- und Prozessherausforderungen: die Lücke zwischen Prozessvalidierung und Scale-up schließen
Sobald ein Prozess validiert ist, wird die operative Umsetzung zum größten Risiko bei der Skalierung von Produkten. Obwohl die Phase-III-Daten für die FDA-Zulassung von Ryoncil™ ausreichten, musste der 2023 erneut eingereichte Zulassungsantrag weiterhin CMC-Bedenken (Chemistry, Manufacturing, and Controls) adressieren, die nach der Ablehnung im Jahr 2020 bestehen geblieben waren. Gleichzeitig wurden drei weitere regenerative Zelltherapieprodukte, EB-101, CAP-1002 und eine allogene EBV-spezifische T-Zell-Therapie, aufgrund von Bedenken hinsichtlich CMC oder Wirksamkeit abgelehnt. Die Zulassung von Ryoncil™ zeigte, dass sich diese Hürden insbesondere durch die Identifizierung spezifischer Erfolgsparameter und die Reduzierung von Risiken durch optimierte Kultivierungsprozesse überwinden lassen, und diente damit als Proof of Concept für andere Anbieter.
Wirksamkeit nachweisen: Potenzmarker mit den Behandlungsergebnissen von Patienten verknüpfen
Die Gewährleistung von Homogenität und Potenz über verschiedene Chargen hinweg ist die zentrale Herausforderung für die FDA-Zulassung und war bei früheren Zulassungsanträgen von Ryoncil™ das entscheidende Hindernis. Viele MSC-Hersteller haben mit Schwankungen zwischen verschiedenen Ansätzen, der Heterogenität von Spendern und unzureichenden Kultivierungsverfahren zu kämpfen, die zu einer geringen Potenz führen. Im Fall von Ryoncil™ forderte die FDA Mesoblast auf, die Daten aus der Phase III eingehend zu analysieren und Biomarkersignale zu identifizieren, die den Potenztest mit tatsächlichen Behandlungsergebnissen der Patienten verknüpfen konnten. Durch die Verwendung klinisch relevanter Biomarkerwerte (d. h. die Unterdrückung der IL-2Rα-Expression auf T-Zellen) und den Vergleich mit einer größeren Kontrollgruppe konnte Mesoblast die Aktivität seines Produkts nachweisen, anstatt sich auf allgemeine Marker zu stützen, die bei früheren Zulassungsanträgen für Ryoncil™ nicht erfolgreich gewesen waren.
Aus den Erfahrungen von Mesoblast mit der FDA-Zulassung lernen nun einige Entwickler wie Cytiva und Bayer und investieren stärker in die Entwicklung von Tests, um spezifische Potenzmarker mit klinischen Endpunkten zu verknüpfen. Dieser Trend ist auch für Märkte außerhalb des Zuständigkeitsbereichs der FDA relevant. International wurden in Japan im Februar 2026 zwei Therapien mit induzierten pluripotenten Stammzellen (ReHeart® und Amchepry®) unter Auflagen zugelassen. Voraussetzung ist ein zusätzlicher Nachweis ihrer Sicherheit und Wirksamkeit in den kommenden Jahren. Wie diese Therapien hatte auch Ryoncil zunächst Schwierigkeiten, seine Wirksamkeit nachzuweisen. Durch die Kombination geeigneter Markertypen mit Kontrolldaten konnte jedoch eine Zulassung erreicht werden. Indem Ryoncil™ einen klaren Zusammenhang zwischen Potenzmarkern und klinischen Behandlungsergebnissen herstellte, zeigte das Produkt dem gesamten Feld einen möglichen Weg zur FDA-Zulassung auf, der auch anderen Akteuren helfen könnte, ihre eigenen Zulassungswege erfolgreich zu beschreiten.
Automatisierung und geschlossene Systeme: Konsistenz bei der Skalierung sicherstellen
Da eine konsistente Herstellung für hochwirksame allogene Produkte entscheidend ist, investieren Entwickler wie Lonza, Mesoblast, Bayer und Cytiva als nächste wichtige Entwicklungsschritte in 3D-Bioreaktoren und Prozessautomatisierung. Diese Ansätze sollen größere Chargen ermöglichen, ohne die Konsistenz zu beeinträchtigen, die Abhängigkeit von manuellen Eingriffen in den Herstellungssystemen reduzieren und die Reproduzierbarkeitsprobleme angehen, die bislang viele Zelltherapien daran gehindert haben, den Markt zu erreichen. Die Herstellung allogener Therapien entwickelt sich weg von arbeitsintensiven, offenen Prozessen hin zu geschlossenen, automatisierten und digital überwachten Systemen, die eine kommerzielle Versorgung sicherstellen können. Auch hier scheint das gesamte Feld die Erfahrungen mit Ryoncil™ zunehmend aufzugreifen. Geschlossene Herstellungsplattformen gelten bei neuen allogenen Programmen zunehmend als Standard.
Die FDA-Zulassung von Ryoncil™ war ein Meilenstein für allogene Therapien. Sie bestätigte nicht nur den MSC-Ansatz für allogene Therapien, sondern lieferte zukünftigen Entwicklern auch eine konkrete Grundlage, auf der sie aufbauen können. Sie macht deutlich, wie wichtig strategische Partnerschaften von der akademischen Forschung bis hin zur kommerziellen Herstellung sind, und verdeutlicht zugleich die CMC- und Potenztest-Herausforderungen, mit denen sich andere Akteure auseinandersetzen müssen. Diese beginnen, die gewonnenen Erkenntnisse durch eine präzisere Testentwicklung, geschlossene Herstellungsplattformen und den Aufbau industrieller Partnerschaften umzusetzen.
Es bleibt abzuwarten, ob diese Erkenntnisse flächendeckend übernommen werden und zu einem schnelleren, besser vorhersehbaren Zulassungsweg für die nächste Generation allogener Therapien führen oder ob jedes Programm diese Erfahrungen in seinem jeweiligen Kontext erneut machen muss. Wir bei Alcimed werden die Entwicklungen in diesem Bereich weiterhin verfolgen. Kontaktieren Sie unser Team.
Über die Autorin,
Julianna, Consultant im Life-Sciences-Team von Alcimed in den USA