Agrar- und Ernährungswirtschaft

Schokoladenmarkt: 3 Ansätze für einen nachhaltigen und ethischen Kakaoanbau

Veröffentlicht am 17 April 2023 Lesen 25 min

Ob in Tafeln, Pralinen oder Getränken – Schokolade ist in all ihren Formen in den meisten Haushalten zu finden. Doch der Kakao-Anbau gerät zunehmend in die Kritik. Der Kakaobaum benötigt ein feuchtwarmes Klima mit konstanten Temperaturen um die 25 °C, was erklärt, warum der Anbau fast ausschließlich in tropischen Ländern wie der Elfenbeinküste oder Ghana stattfindet. In einer Zeit, in der der Trend zur lokalen Produktion geht, wirft der globale Kakaoanbau Fragen auf – insbesondere angesichts der Tatsache, dass Importe häufig aus Ländern stammen, in denen die Arbeitsbedingungen schwierig oder gar als unethisch einzustufen sind. Schokolade steht somit aus gesellschaftlichen und ökologischen Gründen im Zentrum aktueller Debatten. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, haben Branchenakteure in den letzten Jahren einen tiefgreifenden Wandel angestoßen. In diesem Artikel beleuchten wir von Alcimed den Schokoladenmarkt und dessen gesellschaftliche sowie ökologische Herausforderungen.

Der Schokoladenmarkt in Zahlen

Im Jahr 2021 wurden allein in Frankreich Schokoladenprodukte im Wert von 3,323 Milliarden Euro1Französischer Schokoladenverband (Syndicat du Chocolat) in Supermärkten verkauft. Der Absatz konzentriert sich insbesondere auf zwei Schlüsselmomente im Jahr: Weihnachten und Ostern, die zusammen fast ein Drittel des Gesamtumsatzes ausmachen.

Der durchschnittliche Schokoladenkonsum einer Person in Frankreich liegt bei 7,3 kg2Französischer Schokoladenverband (Syndicat du Chocolat) pro Jahr. Die Tafel bleibt dabei das bevorzugte Format, gefolgt von Brotaufstrichen und Schokoriegeln. Auffällig ist die Vorliebe der Franzosen für Zartbitterschokolade, die 30 % ihres Konsums ausmacht – zum Vergleich: im europäischen Durchschnitt sind es lediglich 5 %3Caobisco (2017). Weltweit wird der Kakaokonsum zwischen 2020 und 2025 voraussichtlich um 20 % steigen4Französisches Zentrum für Agrarforschung und internationale Entwicklung (CIRAD).

Obwohl Frankreich kein Kakaobohnenproduzent ist, zählt es zu den wichtigsten Verarbeitern weltweit und exportiert 70 %5PRODCOM 2020 und Französische Zollbehörde seiner Schokoladenproduktion. Doch woher stammt der dafür benötigte Kakao?

Hauptsächlich von der Elfenbeinküste, die allein 43 % der weltweiten Kakaoernte liefert. Danach folgen Ghana (20 %), Indonesien (6 %), Ecuador (6 %), Kamerun (5 %) und Brasilien (4 %)6Französischer Schokoladenverband (Syndicat du Chocolat).

Weltweit sichert der Kakaoanbau das Überleben von schätzungsweise 40 bis 50 Millionen Menschen7Caobisco (2017) im globalen Süden. In Frankreich schafft die Schokoladenverarbeitung rund 30.000 direkte Arbeitsplätze in 115 Unternehmen – davon sind 90 % kleine und mittlere Unternehmen8Französischer Schokoladenverband (Syndicat du Chocolat).

Für europäische Hersteller besteht kaum eine Alternative zur Verlagerung des Kakaoanbaus ins Ausland. Dies bringt neben Transportaufwand auch verschiedene Umweltauswirkungen mit sich.

Die Produktionskette neu denken: für einen nachhaltigen Kakaoanbau

Der Kakaoanbau hat über viele Jahre hinweg zur Abholzung von Wäldern und zur Verschmutzung von Böden beigetragen.

Laut Angaben der Europäischen Union und des Forstministeriums de Elfenbeinküste sind zwischen 1960 und 2010 mehr als 19 % der Wälder in der Elfenbeinküste allein durch den Kakaoanbau verschwunden. Wie bei vielen anderen Agrarerzeugnissen wurde auch hier lange Zeit auf die Ausweitung von Monokulturen durch das Abholzen von Wäldern gesetzt. Diese Praxis hat die Böden ausgelaugt und die Widerstandsfähigkeit der Kakaobäume gegenüber Schädlingen und Krankheiten verringert.

Seit den 1990er Jahren haben sich die Anbaumethoden verändert – sowohl zur Sicherung der Pflanzenbestände als auch als Reaktion auf ökologische Herausforderungen.

Heute ersetzt Agroforstwirtschaft zunehmend die Monokultur. Dabei werden Obstbäume in die Plantagen integriert, was den Boden schont und den verbleibenden Urwald schützt. Aufforstungsprogramme mit Fruchtbäumen sorgen für den nötigen Schatten, verbessern die Erträge und diversifizieren die Einkommensquellen der Landwirte.

Auch die Schokoladenhersteller tragen Verantwortung: Lindt & Sprüngli hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2025 vollständig auf Entwaldung zu verzichten. Zu den Maßnahmen zählen unter anderem das Verbot von Bohnenlieferungen aus geschützten Gebieten, ein Ausbaustopp in Gebieten mit hohem Kohlenstoffspeicherpotenzial, die Förderung der Agroforstwirtschaft sowie Maßnahmen zur Erhaltung, zum Schutz und zur Wiederaufforstung der Anbaugebiete.

Marktakteure investieren erhebliche finanzielle und personelle Ressourcen, um ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern. Unternehmen wie Mars, Ferrero, Lindt & Sprüngli, Cémoi und Barry Callebaut verfolgen das Ziel, 100 % „nachhaltigen“ Kakao zu verwenden.

Nachhaltigkeit umfasst jedoch nicht nur ökologische, sondern auch soziale Aspekte.

3 Ansätze für einen nachhaltigen und ethischen Kakaoanbau

Wie bei vielen Produkten heute helfen Zertifizierungen und Siegel (z. B. Fairtrade, Rainforest Alliance), nachhaltigen Kakao von herkömmlichem zu unterscheiden. Das Rainforest-Alliance-Siegel etwa steht für eine umwelt- und sozialverträglichere Landwirtschaft und Produktion – zum Schutz des Planeten und der Menschen, die auf den Plantagen arbeiten. Diese Siegel sichern Transparenz, Nachverfolgbarkeit und ethische Standards entlang der gesamten Lieferkette.

Ansatz Nr. 1: Kinderarbeit abschaffen

Kinderarbeit ist eine der zentralen Herausforderungen des Kakaoanbaus. Im Jahr 2018 war fast jedes dritte Kind9Französischer Schokoladenverband (Syndicat du Chocolat) in der Elfenbeinküste und in Ghana davon betroffen – das entspricht rund 1,5 Millionen Kindern.

Seit der Unterzeichnung des Harkin-Engel-Protokolls im Jahr 2001 haben sich Unternehmen verpflichtet, ausbeuterische Kinderarbeit – etwa das Tragen schwerer Lasten oder der Umgang mit Chemikalien und scharfen Werkzeugen – abzuschaffen.

2002 wurde die Internationale Kakao-Initiative (ICI) ins Leben gerufen, die teilweise von der Schokoladenindustrie (u. a. Nestlé, Barry Callebaut, Cargill, Mars, Ferrero) finanziert wird. Die ICI hat seither in 600 Gemeinden der Elfenbeinküste und Ghanas gearbeitet und dabei 682.000 Kindern geholfen.


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Ansatz Nr. 2: die Lebensbedingungen der Kakaobauern verbessern

Die Lebensbedingungen der Produzenten sowie die Stärkung der Rolle der Frauen sind weitere zentrale Themen.

Viele Plantagen sind klein und erzielen niedrige Erträge – durchschnittlich 350 bis 400 kg Bohnen pro Hektar. Um die Lebensbedingungen der Bauern zu verbessern, wurden Programme ins Leben gerufen, die bessere Vergütung fördern. So schult das Unternehmen Puratos im Rahmen seines „Cacao-Trace“-Programms Bauern darin, hochwertigere Bohnen zu produzieren, und zahlt ihnen eine „Qualitätsprämie“, die zu einer höheren Lebensqualität beiträgt.

Ansatz Nr. 3: die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen fördern

Frauen stellen rund die Hälfte der Arbeitskräfte im Kakaoanbau – oft ohne Bezahlung. Ziel der Branche ist es, Frauen zu befähigen, Kulturen anzubauen, die zur Selbstversorgung beitragen. Schulungs- und Sensibilisierungsprogramme helfen ihnen, wirtschaftliche Eigenständigkeit zu erlangen, zusätzliche Einkommensquellen zu erschließen und besseren Zugang zu Landbesitz zu erhalten.

Die Schokoladenbranche steht vor zahlreichen Herausforderungen, die den Akteuren durchaus bekannt sind. Gleichzeitig zeigt die anhaltend hohe Nachfrage, dass Schokolade weiterhin ein fester Bestandteil vieler Haushalte bleibt. Um den aktuellen Anforderungen gerecht zu werden, befindet sich die Kakaoindustrie im Wandel. Ziel ist es, die Arbeit der Bauern am Anfang der Wertschöpfungskette zu verbessern, ihnen bessere Arbeitsbedingungen zu ermöglichen und dadurch nachhaltigen Kakao sowie qualitativ hochwertige Schokolade zu produzieren.

Wir von Alcimed begleiten Sie gerne bei Ihren Projekten in der Agrarwirtschaft und Lebensmittelindustrie oder bei der Entwicklung Ihrer CSR-Strategie. Kontaktieren Sie unser Team!


Über den Autor, 

Pierre, Consultant in Alcimeds Life Sciences Team in Frankreich

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