Nachhaltiger Weinbau: das Ende der intensiven Reben-Monokultur
Der massive Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (Herbizide, Insektizide, Fungizide) beeinträchtigt nicht nur deren Wirksamkeit aufgrund von Resistenzentwicklungen, sondern führt auch zu unerwünschten Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit. Diese unerwünschten Effekte werden von Verbrauchern zunehmend bei ihren Kaufentscheidungen berücksichtigt.
Folglich müssen alternative Weinbausysteme entwickelt werden, um ein nachhaltigeres Weinbaumodell zu schaffen.
Biologische Pflanzenschutzmittel mit optimierter Formulierung für den Weinbau von morgen
Für einen nachhaltigen Weinbau müssen chemische Lösungen wie Insektizide und/oder Fungizide durch biologische Pflanzenschutzlösungen ersetzt werden.
Biologische Pflanzenschutzmittel nutzen natürliche Mechanismen im Rahmen eines integrierten Pflanzenschutzkonzepts (Artikel L. 253-6 des französischen ländlichen und maritimen Fischereigesetzes).
Diese Strategie erfordert die Suche nach Produkten mit Wirkungsweisen, die beispielsweise auf der Aktivierung oder Unterdrückung der Abwehrmechanismen der Rebe (Elicitore), der Störung der Reproduktion von Krankheitserregern (Sexuallockstoffe) usw. basieren. Besonderes Augenmerk liegt auf Lösungen, die kritische Phasen im Lebenszyklus der Krankheitserreger gezielt adressieren. Bei Pilzkrankheiten wie dem Falschen Mehltau der Weinrebe ist es beispielsweise besonders wichtig, die Entwicklung von Oosporen (eine Form der Überdauerung im Boden und der Ausbreitung des Erregers) zu verhindern.
Da diese neuen Lösungsansätze bisher nicht vollständig wirksam sind, müssen sie optimiert werden – insbesondere durch die Weiterentwicklung ihrer Formulierung und der Anwendungsmethoden. Eine Mikroverkapselung der Wirkstoffe ermöglicht zum Beispiel deren Schutz, Stabilisierung und verlängerte Wirkstofffreisetzung.
Parallel dazu werden diese Lösungen in Kombination mit innovativen Strategien zur Früherkennung und epidemiologischen Modellierung genutzt, um die Weinreben gezielt zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu behandeln.
Präzisere epidemiologische Modelle und Vorhersagen
Hier besteht das Ziel darin, epidemiologische Modelle zu entwickeln, die meteorologische, agronomische und gegebenenfalls pathogenbezogene Daten integrieren. Konkret werden zwei Modelltypen entwickelt: einerseits Modelle, die lokal die Entwicklungszyklen von Krankheiten auf Basis von Daten meteorologischer Stationen simulieren, andererseits Modelle, die zusätzliche Parameter wie die Ausbreitung von einer Quelle einbeziehen, um räumliche Risiken zu simulieren und sie in Form von Karten darzustellen.
Die Früherkennung von Krankheitserregern kann molekulare Identifikationstechniken wie LAMP-PCR mit hoher Spezifität umfassen, die in Fallen auf den Parzellen integriert werden. Dieses Vorgehen findet auch in anderen landwirtschaftlichen Sektoren Anwendung, darunter im Obstbau und bei tropischen Kulturen.
Pflanzen „impfen“ – eine prophylaktische Strategie für den nachhaltigen Weinbau der Zukunft?
Mit der Sequenzierung einer zunehmenden Anzahl von Organismen werden die Genome und Transkriptome von Krankheitserregern und ihren Wirtsorganismen immer besser bekannt. Dies ermöglicht die Entwicklung RNA-basierter Präventionslösungen. Wie BioNTech und Moderna RNA-basierte Therapien für menschliche Krankheiten entwickelt haben, ist es auch möglich, RNA-basierte Lösungen zu entwickeln, die Krankheitserreger in Pflanzen gezielt bekämpfen und die Pflanzen gegen Angriffe immunisieren. Damit wird der Weg für „Phyto-Impfstoffe“ geebnet.
Für einen nachhaltigeren Weinbau sollten verschiedene Innovationshebel genutzt werden. Trotz des Willens von Regierungen und der Weinbranche, einen Paradigmenwechsel zu fördern, stellen die praktische Umsetzung, die lokale Nutzung nachhaltiger Konzepte und die Koordination sehr unterschiedlicher Akteure eine echte Herausforderung dar. Maßnahmen wie beispielsweise eine besser abgestimmte Akteursstrategie oder ein Kommunikations- und Bildungsplan könnten helfen.
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Über die Autorin,
Clémentine, Consultant in Alcimeds Life Sciences Team in Frankreich