Photobiomodulation – eine neue Therapie gegen Nebenwirkungen in der Onkologie
Photobiomodulation (PBM), auch bekannt als Low-Level-Light-Therapie (LLLT), bezeichnet die Anwendung sogenannter Low-Level-Laser auf menschliches Gewebe. Der Einsatz dieser Laser hat gezeigt, dass Schmerzen reduziert und die Zellfunktion durch die Förderung der Gewebeheilung verbessert werden können. Unter anderem könnte Photobiomodulation eingesetzt werden, um Mukositis und Dermatitis, die durch Chemo- und Strahlentherapie verursacht werden, vorzubeugen und zu behandeln. Auch wenn einige Onkologen dieser Methode noch skeptisch gegenüberstehen, da es bislang keine eindeutigen Belege für die Wirksamkeit von PBM in der Wundheilung gibt, sehen viele von ihnen darin dennoch eine vielversprechende Möglichkeit zur Behandlung der genannten Nebenwirkungen.
Es gibt nur wenige Behandlungsmöglichkeiten für Mukositis und Dermatitis nach einer Radio- oder Chemotherapie
In Frankreich treten jedes Jahr schätzungsweise 40.000 bis 160.000 neue Fälle von Mukositis auf, in unterschiedlichen Schweregraden (von Grad 1 bis 3). Die Wahrscheinlichkeit, Mukositis oder Dermatitis zu entwickeln, hängt von den eingesetzten Dosen der Radio- oder Chemotherapie ab, die je nach Krebsart variieren. Darüber hinaus spielen die individuelle Anatomie sowie die gesundheitlichen Ausgangsbedingungen der Patienten eine Rolle. Im Durchschnitt entwickeln jedoch rund 40 % der Patienten, die eine Chemo- oder Strahlentherapie erhalten, Mukositis oder Dermatitis – mit einem höheren Risiko bei Strahlentherapien.
Die derzeit verfügbaren Behandlungen dieser Nebenwirkungen basieren hauptsächlich auf kurativen, lokal angewendeten und entzündungshemmenden Therapien. Bei schwereren Läsionen muss zudem die Strahlentherapie unterbrochen werden, was bei etwa 10 % der Patienten der Fall ist.
Es ist offensichtlich, dass die derzeit verfügbaren Therapien verbessert werden müssen, und Onkologen suchen nach neuen Lösungsansätzen.
Einsatz von PBM bei der Behandlung von Mukositis und Demenz
Derzeit befindet sich die Photobiomodulation noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium. Obwohl viele Gesundheitseinrichtungen Interesse daran bekunden, die Technologie zu testen, setzen in Frankreich bislang nur 15 Zentren PBM regelmäßig in der klinischen Praxis ein. Bevor die Methode routinemäßig eingesetzt werden kann, erwarten Ärzte neben dem Wirksamkeitsnachweis, dass sie folgende Kriterien erfüllt:
- Vor allem muss PBM messbare und wiederholbare Ergebnisse liefern können.
- Sie muss gut verträglich sein: Während der Sitzungen dürfen keine unerwarteten toxischen Effekte auftreten.
- Die Anwendung muss sowohl für das Fachpersonal als auch für die Patienten einfach handhabbar sein.
- Qualifiziertes nichtärztliches Fachpersonal soll die Sitzungen betreuen.
Darüber hinaus kann Photobiomodulation auch prophylaktisch eingesetzt werden, bevor Nebenwirkungen überhaupt auftreten. Alle Einrichtungen, die sich mit einem PBM-Gerät ausstatten möchten, sollten über einen speziell dafür vorgesehenen Raum verfügen, in dem mehrere Geräte parallel betrieben werden können, um mehrere Patienten gleichzeitig zu behandeln. Zudem sollte eine geschulte Fachkraft für die Nutzung der Geräte zuständig sein und die Patienten während der Behandlung begleiten.
Weitere Anwendungsbereiche der Photobiomodulation
„Noch in der Testphase könnte PBM eine vielversprechende Lösung sein, um das Wohlbefinden von Patienten während onkologischer Behandlungen zu verbessern und dadurch auch die Therapietreue zu erhöhen. Das gesamte Potenzial der Photobiomodulation ist jedoch noch längst nicht ausgeschöpft. Die Liste möglicher Anwendungen steckt noch in den Anfängen“, erklärt Xiaolin Liu, Projektleiterin bei Alcimed.
Bereits heute wird Photobiomodulation bei verschiedenen Indikationen eingesetzt – in der Dermatologie (zum Beispiel gegen Hautprobleme wie Akne, Psoriasis oder Ekzeme), in der Augenheilkunde (zur Behandlung unterschiedlicher Netzhauterkrankungen) sowie bei neurodegenerativen Erkrankungen.