Cure51: eine Plattform zur Verwertung biomedizinischer Daten
Cure51 wurde 2022 gegründet und ist ein TechBio-Unternehmen, das auf Basis klinischer und molekularer Profile von sogenannten „außergewöhnlichen Krebsüberlebenden“ eine Datenbank aufbauen möchte, um neue Therapien gegen die Erkrankung zu entwickeln. Hierfür stützt sich Cure51 auf ein internationales Netzwerk von mehr als 100 Gesundheitseinrichtungen in über 40 Ländern, über das bereits mehr als 1.500 Profile außergewöhnlicher Krebsüberlebender identifiziert werden konnten. Im Jahr 2024 führte Cure51 insbesondere eine vom britischen Nationalen Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) genehmigte klinische Studie in Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus Cambridge sowie sieben weiteren britischen Zentren durch, um die biologischen Faktoren hinter diesen außergewöhnlich langen Überlebenszeiten zu analysieren.
Die Entwicklungsstrategie von Cure51 basiert auf der Erhebung von Daten: klinische Informationen, biologische Proben sowie Multi-Omics-Daten von Krebsüberlebenden. Anschließend hat das Start-up eine Plattform entwickelt, die auf computergestützter Modellierung und künstlicher Intelligenz basiert, um biologische Marker zu identifizieren, die mit dem langfristigen Überleben dieser Patienten in Zusammenhang stehen. Die Vielzahl der Datenquellen und die damit verbundenen Modellierungsansätze ermöglichen Cure51 einen integrativen Ansatz, der In-silico-Modelle (KI-basierte Modelle), In-vitro-Modelle, Ex-vivo-Modelle (biologische Proben von Patienten) sowie In-vivo-Ansätze (klinische Forschung) miteinander kombiniert.
Welches Erlösmodell steht dahinter? Obwohl Cure51 derzeit noch auf die Datenerhebung fokussiert ist, verfolgt das Unternehmen langfristig zwei Verwertungsansätze. Der erste basiert auf Forschungs- und Entwicklungspartnerschaften mit der Pharma- und Biotechnologieindustrie. Ziel ist es, gemeinsam mit Unternehmen Therapien oder Biomarker auf Grundlage der eigenen Erkenntnisse zu entwickeln. Dies geschieht bereits mit Explicyte, einem Unternehmen aus Bordeaux, das Pharma- und Biotechnologieunternehmen bei der Entwicklung von Therapien gegen solide Tumoren unterstützt und die von Cure51 erhobenen Proben analysiert. Der zweite Ansatz beruht auf einem Lizenzmodell, bei dem die eigene Technologie sowie proprietäre Datenbanken großen Pharmaunternehmen zur Verfügung gestellt werden.
Cure51 stützt sich somit auf ein Partnernetzwerk, um seine proprietäre Datenbasis aufzubauen. Die zugehörige Plattform kann anschließend über Partnerschaften oder Lizenzen vermarktet werden. Ziel des Unternehmens ist es, eine proprietäre Datenbank als Grundlage seines Erlösmodells aufzubauen, wobei 10 % der Einnahmen an die beteiligten Gesundheitseinrichtungen zurückfließen sollen. Das Lizenzmodell könnte erste Umsätze generieren, bevor langfristige und kostenintensive Partnerschaften aufgebaut werden. Mit dieser Strategie konnte Cure51 im März 2024 eine Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 15 Mio. € mit den Investoren Sofinnova Partners, Hitachi Ventures und Life Extension Ventures abschließen.
Bioptimus: generative KI im Dienste der Biologie
Bioptimus wurde 2023 gegründet und ging aus dem Umfeld des Unternehmens Owkin hervor. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, generative KI auf die Life Sciences anzuwenden. Ausgehend von einem ersten Modell, das ausschließlich mit Bildern biologischer Gewebe trainiert wurde, um Krebszellen und Anomalien mit hoher Genauigkeit zu erkennen, möchte das Unternehmen grundlegende KI-Modelle entwickeln.
Hierzu trainiert Bioptimus multimodale Modelle auf sehr großen Mengen heterogener biomedizinischer Daten. Ziel ist die Entwicklung eines Modells, das die Funktionsweise eines lebenden Organismus in seiner gesamten Komplexität verstehen und simulieren kann. Dafür stützt sich Bioptimus auf mehrere technologische Bausteine:
- Hochwertige proprietäre Daten, die durch Partnerschaften mit zahlreichen Laboren und Krankenhäusern sowie durch den Zugang zur Datenbank von Owkin bereitgestellt werden;
- Recheninfrastrukturen und fortschrittliche Algorithmen, die durch eine Partnerschaft mit Amazon Web Services zugänglich sind und das Training von Modellen ermöglichen, ohne eigene Infrastrukturen aufbauen zu müssen.
Welches Erlösmodell steht dahinter? Derzeit hat sich Bioptimus dafür entschieden, seine ersten Modelle als Open Source bereitzustellen, um zur wissenschaftlichen Gemeinschaft beizutragen und seine Reputation aufzubauen. Diese Modelle sollen der gesamten akademischen Forschung offen zugänglich bleiben. Die multimodalen Modelle sollen anschließend über zwei Kanäle monetarisiert werden:
- Maßgeschneiderte Forschungspartnerschaften mit der Industrie: Bioptimus möchte mit Pharma-, Biotechnologie- oder auch Unternehmen aus anderen Branchen wie Kosmetik oder Lebensmittelindustrie zusammenarbeiten, um seine KI-Modelle auf deren spezifische Fragestellungen anzuwenden. Das Unternehmen positioniert sich dabei als F&E-Dienstleister und nutzt seine Plattform auf den Daten seiner Kunden.
- Bereitstellung der Modelle über die Cloud: Ähnlich wie OpenAI mit ChatGPT plant Bioptimus, den Zugang zu seinen Modellen über APIs oder Cloud-Dienste anzubieten. Entwickler, Forscher sowie Unternehmen sollen die Modelle bedarfsgerecht nutzen und in ihre eigenen Anwendungen oder Arbeitsabläufe integrieren können, wobei die Abrechnung nutzungsbasiert erfolgt.
Bioptimus positioniert sich damit an der Schnittstelle zwischen Open Science und Monetarisierung, indem erste Modelle frei zugänglich bleiben. Um frühzeitig Umsätze zu erzielen, erscheint die Monetarisierung über Cloud-Dienste jedoch unverzichtbar und könnte wiederkehrende Einnahmen generieren.
Diese Strategie hat es Bioptimus bislang ermöglicht, seit 2024 insgesamt 76 Mio. € in zwei Finanzierungsrunden einzuwerben. Die erste Seed-Finanzierungsrunde über 35 Mio. € wurde von Sofinnova Partners, Bpifrance, Cathay Innovation, Hummingbird, NJF Capital und Frst getragen. Ein Jahr später folgte eine zweite Finanzierungsrunde über 41 Mio. € mit Cathay Innovation, Bpifrance, Andera Partners, Sofinnova Partners, Hitachi Ventures, Sunrise sowie drei US-amerikanischen Fonds.
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Orakl Oncology: KI für die Krebsmodellierung
Orakl Oncology wurde 2023 gegründet und ist ein Start-up, das künstliche Intelligenz und experimentelle Biologie kombiniert, um Krebserkrankungen patientenspezifisch zu modellieren. Das Unternehmen ging aus dem Gustave-Roussy-Institut (Institut Gustave-Roussy) hervor und konzentriert sich auf zwei der aggressivsten gastrointestinalen Krebsarten: Darmkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Die technologische Strategie des Unternehmens basiert auf drei zentralen Säulen:
- Modelle auf Basis patientenabgeleiteter Tumor-Avatare: Für jeden Patienten erstellt Orakl einen Avatar, also ein biologisches Modell der jeweiligen Tumorerkrankung. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Tumororganoide. Diese Organoide können im Labor verschiedenen Wirkstoffen ausgesetzt werden, um ihre Reaktionen zu beobachten.
- Die Integration von Patientendaten und künstlicher Intelligenz: Über den Organoid-Ansatz hinaus integriert Orakl zahlreiche reale klinische Daten der Patienten. Durch die Kombination dieser Daten mit den Ergebnissen der In-vitro-Tests auf den Avataren und mithilfe von Machine-Learning-Algorithmen entwickelt das Unternehmen Vorhersagemodelle für das Ansprechen von Tumoren auf Therapien. Ziel ist die Entwicklung eines KI-Modells, das vorhersagen kann, welche Patienten auf welche Behandlung ansprechen werden.
- Proprietäre Plattformen: Die mit den Tumor-Avatar-Modellen und KI-Technologien verbundenen Plattformen ermöglichen es Orakl Oncology, eine eigene Biobank aufzubauen und zu nutzen.
Welches Erlösmodell steht dahinter? Wie bei Cure51 basiert auch das Erlösmodell von Orakl Oncology langfristig auf Partnerschaften mit Pharmaunternehmen sowie auf der Bereitstellung seiner Technologieplattformen über Lizenzen oder Co-Development-Modelle. Im Bereich Partnerschaften bietet Orakl Arzneimittelentwicklern die Möglichkeit, ihre Wirkstoffe an Sammlungen von Tumor-Avataren zu testen, die die Zielpopulation repräsentieren. Darüber hinaus könnten Unternehmen über Lizenzmodelle Zugang zu den Technologieplattformen erhalten, um ihre eigenen F&E-Aktivitäten durchzuführen.
Um kurzfristig Umsätze zu generieren, wird sich Orakl daher zunächst vor allem auf die Lizenzierung seiner Technologie stützen müssen, bevor das Unternehmen verstärkt auf Partnerschaften und Co-Development setzt.
Mit dieser Strategie konnte das Start-up zwei aufeinanderfolgende Finanzierungsrunden abschließen: zunächst im Oktober 2023 eine Runde über 3 Mio. € mit Speedinvest, HCVC und Verve Ventures sowie im Dezember 2024 eine zweite Runde über 11 Mio. € mit Singular und der Unterstützung von Bpifrance.
Diese drei TechBio-Unternehmen verfolgen vergleichbare Ansätze: Sie sammeln Daten, um Modellierungsalgorithmen zu trainieren, die langfristig über Partnerschaften oder Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen monetarisiert werden sollen. Das Lizenzmodell ermöglicht ihnen kurzfristige und vergleichsweise risikoarme Einnahmen und schafft die Grundlage für spätere Co-Development-Projekte, die zwar länger dauern und risikoreicher sind, jedoch deutlich höhere Umsatzpotenziale bieten.
Diese Geschäftsmodelle haben es den drei Start-ups ermöglicht, seit Oktober 2023 insgesamt 105 Mio. € einzuwerben. Dies ist besonders bemerkenswert in einem Umfeld, in dem sowohl die Anzahl der Finanzierungsrunden als auch die investierten Beträge rückläufig sind, und unterstreicht das Interesse der Investoren sowie die Relevanz der Strategien dieser Unternehmen.
Die Entwicklung eines tragfähigen Geschäftsmodells gehört zu den entscheidenden Schritten auf dem Weg zu einer erfolgreichen Finanzierungsrunde. Wir von Alcimed begleiten Sie gerne bei diesen Fragestellungen. Kontaktieren Sie unser Team!
Über den Autor,
Pierre, Consultant in Alcimeds Innovations- und Public Policy Team in Frankreich