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Wie kann das Darmmikrobiom zur Verbesserung der Frauengesundheit beitragen?

Veröffentlicht am 10 Januar 2024 Lesen 25 min

In den letzten zehn Jahren haben die Diskussionen zum Thema Darmmikrobiota (umgangssprachlich oft Darmflora) und zu ihren zahlreichen Vorteile stark zugenommen. Offensichtlich haben diese Mikroorganismen Funktionen, die für unsere allgemeine Gesundheit unerlässlich sind, aber sie bieten auch Möglichkeiten für therapeutische Anwendungen. Es hat sich gezeigt, dass die Darmmikrobiota als eines der vielen Systeme, die unseren Körper steuern, eng mit dem endokrinen System verbunden ist. Dieses ist für die Produktion, Freisetzung und Modulation von Hormonen verantwortlich. Aber warum ist diese Beziehung zwischen dem Mikobiom im Darm und dem endokrinen System für die Frauengesundheit besonders interessant? In diesem Artikel wirft Alcimed einen genaueren Blick auf die Auswirkungen des Darmmikrobioms auf den weiblichen Körper.

Die Bedeutung eines ausgewogenen Östrogenspiegels für die Frauengesundheit

Was sind Östrogene?

Östrogene sind eines der wichtigsten Hormone für Frauen, nicht nur wegen ihrer sexuellen Eigenschaften, sondern auch wegen ihrer Rolle für die Knochengesundheit, die Libido, die kognitive Gesundheit und die Herzfunktion, um nur einige Aspekte zu nennen. Ihre Synthese erfolgt sowohl in den Keimdrüsen als auch in extragonadalen Organen wie dem Gehirn und der Niere, und ihre Konzentrationen im Blut schwanken nicht nur im Laufe des Lebens, sondern auch von einem Tag auf den anderen.

Es gibt drei Hauptformen von Östrogenen:

  • Estron (E1),
  • Estradiol (E2),
  • Estriol (E3).

Jedes von ihnen ist im Laufe des Lebens einer Frau in unterschiedlichen Konzentrationen im Körper vorhanden, je nach ihrem Reproduktionsstatus und Alter.

Bei Frauen vor der Menopause und im gebärfähigen Alter überwiegt E2. Während eines Menstruationszyklus, der im Durchschnitt 28 Tage dauert, sollte der E2-Spiegel zweimal ansteigen und abfallen, einmal während der Follikelphase und ein weiteres Mal während der Lutealphase. E3 wiederum spielt während der Schwangerschaft eine größere Rolle, da es in größeren Mengen produziert wird und als Biomarker für die Gesundheit und das Wohlbefinden des Fötus dient. Während der Wechseljahre kommt es bei Frauen in der Perimenopause zu einem Rückgang der Östrogene, bis die Produktion auf ein sehr niedriges Niveau fällt. Nach der Menopause wird E1 die Hauptrolle spielen.

Welche Auswirkungen haben Östrogene auf die Frauengesundheit?

Als allgemeine Faustregel gilt, dass ein hoher Östrogenspiegel zu Blähungen, Brustspannen und starken Blutungen führen kann, während ein niedriger Östrogenspiegel Hitzewallungen, nächtliche Schweißausbrüche, Herzklopfen, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Müdigkeit und Knochenschwund zur Folge haben kann. Da dies nur einige Aspekte sind, die von den Schwankungen des Östrogenspiegels betroffen sind, ist die Überwachung des Östrogenspiegels von entscheidender Bedeutung für die Gesundheit von Frauen.

Der Einfluss der Darmflora auf die weiblichen Hormone: die Rolle des Östroboloms

Einige Bakterien des Mikrobioms im Darm sind in der Lage, den Metabolismus von Östrogenen durch die Sekretion von β-Glucuronidase zu modulieren, einem Enzym, das für die Umwandlung von Östrogenen in ihre aktiven Formen verantwortlich ist. Nur diese aktiven Formen der Östrogene können dann an ihre Rezeptoren binden und die anschließenden physiologischen Reaktionen auslösen. Diese Ansammlung von Darmbakterien, die das Privileg und die große Verantwortung haben, mit einem so wichtigen Hormon wie dem Östrogen zu interagieren, wird „Östrobolom“ genannt.

Im Falle eines Ungleichgewichts dieser Darmbakterien, das gemeinhin als Darmdysbiose bezeichnet wird, ist diese Interaktion gestört, und der Spiegel der zirkulierenden Östrogene wird beeinflusst. Diese Veränderung kann sich stark auf gesundheitliche Aspekte wie Stimmung, Libido und Gewicht auswirken, vor allem aber zur Entwicklung von Krankheiten wie Adipositas, Endometriose, polyzystischem Ovarsyndrom, Fruchtbarkeitsstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen. So weisen Frauen mit polyzystischem Ovarsyndrom im Vergleich zu gesunden Frauen andere Mikrobiota im Darm auf.


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Die Östrogen-Darmmikrobiom-Achse: ein Weg zur Verbesserung des Darmmikrobioms von Frauen

In den letzten Jahren haben Forscher die Brücke zwischen der Mikrobiota im Darm und dem Hormon Östrogen als „Östrogen-Darmmikrobiom-Achse“ bezeichnet. Dieser Weg zwischen den Bakterien und den Östrogenen scheint eine wichtige Möglichkeit zur Regulierung des Östrogenspiegels zu sein. Besonders wichtig ist, dass dieser Weg in beide Richtungen geht: Es hat sich gezeigt, dass auch das Darmmikrobiom durch Östrogene beeinflusst wird[3]. Da Menstruationszyklen, Schwangerschaft oder Wechseljahre für Frauen eine unruhige Zeit sein können, ist dieser Weg in beide Richtungen zwischen Darmmikrobiom und Östrogenen eine sinnvolle Brücke für Prävention und Behandlung. Um ein optimales Funktionieren und die Wechselwirkung zwischen allen Faktoren zu gewährleisten, ist die Erhaltung einer gesunden Darmflora unerlässlich.

Zusätzlich zu einer gesunden Lebensweise und Ernährung können Probiotika und/oder Präbiotika einige schmerzhafte Magen-Darm-Symptome lindern, indem sie auf das Östrobolom einwirken. So kann die Einnahme von Probiotika während des Menstruationszyklus dazu beitragen, Durchfall und Blähungen zu verringern.

In der Schwangerschaft hat sich die Einnahme von Probiotika als sicher erwiesen. Die positiven Auswirkungen auf die Gesundheit von Mutter und Kind sind noch nicht vollständig erforscht, aber die Möglichkeiten sind groß.

In den Wechseljahren können Probiotika Blähungen, Bauchschmerzen und unregelmäßigen Stuhlgang sowie andere Symptome lindern. Und schließlich haben jüngste Studien Ergebnisse geliefert, die dazu motivieren, durch Östrogene verursachte Krankheiten über die Mikrobiota im Darm zu bekämpfen.

In Bezug auf diese Östrogen-Darmmikrobiom-Achse gibt es viele therapeutische Möglichkeiten zu entdecken. Angesichts einer schnell wachsenden und alternden Bevölkerung ist es von größter Bedeutung, Frauen gesunde und anpassbare Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen, die sie im Verlauf ihres Lebens unterstützen. Wenn Sie diese Bereiche erforschen möchten, begleiten wir Sie gerne dabei. Zögern Sie nicht, unser Team zu kontaktieren!


Über die Autorinnen, 

Thaïs und Lucia, Consultants in Alcimeds Life Sciences Team in der Schweiz

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