Warum haben unsere Daten einen so großen Einfluss auf das Klima?
Um wirksame Maßnahmen ergreifen zu können, muss zunächst verstanden werden, woher der CO₂-Fußabdruck von Daten stammt.
Die Speicherung, Verarbeitung und Übertragung von Informationen basiert auf einer komplexen Infrastruktur aus Servern, die in Rechenzentren gebündelt sind. Diese Rechenzentren arbeiten rund um die Uhr und haben daher einen erheblichen Energiebedarf: Nach Angaben der Internationalen Energieagentur entfallen bereits fast 1 % des weltweiten Stromverbrauchs auf Rechenzentren, Tendenz steigend. Die heutigen digitalen Infrastrukturen sind besonders energieintensiv, und der Anteil der Energiekosten an den Betriebskosten von Rechenzentren steigt kontinuierlich an und liegt inzwischen bei rund 50 %.
Dieser Verbrauch ist nicht allein auf die Server selbst zurückzuführen. Er entsteht auch durch die Kühlsysteme, die notwendig sind, um die Anlagen auf Betriebstemperatur zu halten, sowie durch die Netzwerkinfrastrukturen, die den kontinuierlichen Datentransfer ermöglichen. Weltweit stammen noch immer rund 60 % des erzeugten Stroms aus fossilen Energiequellen und tragen damit direkt zu den Treibhausgasemissionen bei.
Die Kühlung der Anlagen führt zudem zu einem hohen Wasserverbrauch: Ein mittelgroßes Rechenzentrum kann jährlich bis zu 410 Millionen Liter Wasser für Kühlzwecke verbrauchen. Das entspricht dem jährlichen Wasserverbrauch von etwa 1.000 Haushalten.
Neben Energie- und Wasserverbrauch resultiert die Umweltbelastung digitaler Daten auch aus der eingesetzten Hardware. Rechenzentren beherbergen eine Vielzahl von Servern, Routern, Festplatten, elektronischen Bauteilen und Batterien, deren Lebensdauer begrenzt ist: Server werden im Durchschnitt nach drei bis fünf Jahren ersetzt, Netzwerktechnik teilweise nach sieben Jahren. Mit jedem technologischen Erneuerungszyklus wird ein großer Teil der Hardware obsolet. Diese Geräte werden zu Elektronikschrott (E-Waste), der Schadstoffe wie Blei, Quecksilber oder Cadmium enthält. Werden diese Abfälle nicht sachgerecht entsorgt, können sie Böden und Gewässer belasten und die menschliche Gesundheit gefährden. Im Jahr 2022 erreichte das weltweite Aufkommen an Elektronikschrott 62 Millionen Tonnen und wächst jährlich um rund 2,6 Millionen Tonnen.
Bereits vor ihrer Inbetriebnahme verursachen diese Geräte erhebliche ökologische Belastungen. Für ihre Herstellung werden große Mengen kritischer Rohstoffe und seltener Erden benötigt: Kupfer, Aluminium, Lithium, Kobalt, Nickel, Neodym, Dysprosium, Europium, Yttrium, Lanthan und weitere. Der Abbau dieser Materialien ist häufig äußerst energieintensiv und geht mit erheblichen Eingriffen in natürliche Ökosysteme einher: Für jede Tonne geförderter Seltenerdmetalle entstehen rund 2.000 Tonnen toxischer Abfälle. Die Gewinnung dieser Rohstoffe führt zur Zerstörung von Lebensräumen, zum Verlust von Biodiversität und zur Verschmutzung von Grundwasserressourcen.
Ein noch junges Thema im Gesundheitswesen
Während die CO₂-Bilanz digitaler Technologien zunehmend Gegenstand der öffentlichen Diskussion wird, befindet sich das Thema im Krankenhaussektor noch in einer frühen Entwicklungsphase. In den meisten Einrichtungen werden Strategien für Gesundheitsdatenplattformen und das damit verbundene Datenmanagement derzeit erst aufgebaut. Umweltkriterien spielen dabei bislang nur eine untergeordnete Rolle. Die Anstrengungen konzentrieren sich nach wie vor vor allem auf regulatorische Anforderungen und Interoperabilität, während ein umfassender Ansatz zur digitalen Nachhaltigkeit häufig noch fehlt.
Auch wenn das Thema noch am Anfang steht, zeigen erste Initiativen, dass ein Bewusstseinswandel eingesetzt hat. In den vergangenen Jahren haben mehrere Gesundheitseinrichtungen konkrete Maßnahmen ergriffen, um den CO₂-Fußabdruck ihrer digitalen Aktivitäten zu bewerten und zu reduzieren.
Die Universitätskliniken von Lyon (Hospices Civils de Lyon, HCL) haben einen ambitionierten Plan für digitale Nachhaltigkeit aufgesetzt, um die Umweltauswirkungen digitaler Technologien sowohl auf Hardware- als auch auf Datenebene zu reduzieren. Das Programm stützt sich auf eine bereichsübergreifende Arbeitsgruppe, aus der mehrere gezielte Maßnahmen hervorgegangen sind: die Einführung einer Charta für verantwortungsvolle Digitalisierung, die Löschung nicht genutzter Daten, die Einführung von Monitoring-Kennzahlen, die Erstellung eines Leitfadens für Best Practices, Schulungen für Fachkräfte sowie die Wiederverwendung veralteter Hardware.
Auch andere Einrichtungen setzen gezielte Initiativen um. So hat die Organisation Avenir APEI eine Strategie für ein verantwortungsvolles Management ihrer IT-Ausstattung eingeführt, die die Sammlung und das Recycling nicht mehr genutzter Geräte umfasst. Das Universitätsklinikum in Nantes wiederum hat Maßnahmen zur Reduzierung des Speicherbedarfs von E-Mail-Systemen umgesetzt. Dazu gehören die Löschung veralteter Daten, Sensibilisierungsmaßnahmen für Mitarbeitende sowie die Einrichtung gemeinsamer Speicherbereiche, um die Mehrfachablage von Anhängen zu vermeiden.
Auf nationaler Ebene werden zunehmend Orientierungshilfen etabliert. Der 2023 von der französischen Regierung veröffentlichte Leitfaden „Best Practices für eine verantwortungsvolle Digitalisierung in Unternehmen“ („Bonnes pratiques numérique responsable pour les organisations“) bietet einen operativen Rahmen zur Verringerung der Umweltauswirkungen digitaler Unternehmensaktivitäten. Auch wenn er nicht speziell auf den Gesundheitssektor ausgerichtet ist, stellt er eine wertvolle Grundlage für Krankenhaus-IT-Abteilungen sowie Data- und KI-Teams dar.
4 Hebel zur Verringerung des CO₂-Fußabdrucks von Gesundheitsdaten: auf dem Weg zu einer verantwortungsvollen digitalen Krankenhauslandschaft
Welche konkreten Maßnahmen können Gesundheitseinrichtungen künftig umsetzen? Auch wenn Gesundheitsdaten mit Umweltkosten verbunden sind, existieren zahlreiche Ansatzpunkte, um deren Auswirkungen zu begrenzen – von der Infrastrukturplanung bis hin zur Governance der Datennutzung.
Bei Dateninfrastrukturen muss zwischen der Hardware-Ebene, die den materiellen Fußabdruck umfasst (Server, Speicher, Netzwerke, Kühlung usw.), und der Software-Ebene unterschieden werden, welche die Nutzung dieser Hardware steuert. Sie bestimmt, wie viele Rechenoperationen durchgeführt werden, wie viel Speicher benötigt wird und damit letztlich auch, wie viel Energie verbraucht wird. Eine nachhaltige digitale Transformation setzt daher sowohl die Optimierung der Software als auch der physischen Infrastruktur voraus.
Hebel Nr. 1: Hardware-Perspektive: ressourcenschonendere Infrastrukturen entwickeln
Rechenzentren als physische und technische Grundlage von Gesundheitsdatenplattformen stehen im Zentrum des Energieverbrauchs digitaler Systeme. Ein erster Hebel besteht darin, ihre Architektur zu optimieren, um die Energieeffizienz zu steigern und den Wasserverbrauch durch besser konzipierte Kühlsysteme zu senken. Die Kühlung macht häufig bis zu 40 % des Gesamtenergieverbrauchs eines Rechenzentrums aus. Fortschrittliche Technologien wie die Trennung von Warm- und Kaltluftströmen, Flüssigkeitskühlung oder die Nutzung von Außenluft („Free Cooling“) können den Energiebedarf deutlich reduzieren. Statt Trinkwasser können Rechenzentren zudem alternative Wasserquellen nutzen, beispielsweise aufbereitetes Abwasser aus Kläranlagen, Regenwasser oder Wasser aus nahegelegenen Flüssen.
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Auch die Wahl der Energiequellen ist entscheidend. Durch die Integration erneuerbarer Energien, etwa Solaranlagen mit Batteriespeichern oder die Wahl entsprechender Energieversorger, lassen sich die mit der Stromversorgung verbundenen CO₂-Emissionen unmittelbar reduzieren.
Auf Hardware-Ebene verfügen moderne Server und Geräte zudem über Funktionen zur dynamischen Leistungssteuerung (Dynamic Voltage and Frequency Scaling, DVFS), die den Energieverbrauch automatisch an die tatsächliche Auslastung anpassen. Dadurch wird vermieden, dass Prozessoren dauerhaft mit voller Leistung laufen, obwohl sie nur teilweise genutzt werden. Der Energieverbrauch sinkt, ohne dass die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt wird.
Darüber hinaus können Gesundheitseinrichtungen den Lebenszyklus ihrer Hardware aktiv steuern. Eine längere Nutzungsdauer von Servern, der Einsatz modularer und reparierbarer Komponenten sowie die Wiederverwendung von Geräten tragen dazu bei, Elektronikschrott zu reduzieren und den Bedarf an seltenen Rohstoffen zu verringern. Verantwortungsvolle Beschaffungspraktiken unterstützen diesen Ansatz zusätzlich.
Hebel Nr. 2: Software-Perspektive: ein verantwortungsvolles Gesundheitsdatenmanagement etablieren
Digitale Nachhaltigkeit beginnt bereits bei der Datenerhebung. Ziel sollte es sein, innerhalb von Gesundheitsdatenplattformen nur tatsächlich benötigte Informationen zu speichern und veraltete oder redundante Daten regelmäßig zu löschen.
Im Krankenhaus ermöglicht eine klare Governance der Aufbewahrungsfristen innerhalb von Gesundheitsdatenplattformen, ergänzt durch definierte Archivierungs- und Löschprozesse, die Kontrolle der gespeicherten Datenmengen. Darüber hinaus reduziert die Arbeit in interoperablen Umgebungen die Mehrfachspeicherung von Daten zwischen verschiedenen Abteilungen oder Softwaresystemen.
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Hebel Nr. 3: Einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess etablieren
Die Verringerung des CO₂-Fußabdrucks digitaler Technologien im Krankenhaus ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess. Die Einführung und Überwachung geeigneter Kennzahlen ermöglicht es, die Entwicklung des Energieverbrauchs und der Ressourcennutzung nachzuverfolgen und Optimierungspotenziale zu identifizieren.
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Hebel Nr. 4: Akteure sensibilisieren und qualifizieren
Der Erfolg einer Strategie für digitale Nachhaltigkeit hängt letztlich von der gemeinsamen Mobilisierung aller Beteiligten ab.
Ärzte, Forschende, Ingenieure sowie Verwaltungsmitarbeitende müssen für die Umweltauswirkungen von Daten und die verfügbaren Reduktionsmaßnahmen sensibilisiert werden.
Schulungen und Workshops zur digitalen Nachhaltigkeit können dazu beitragen, bewährte Maßnahmen zu verbreiten, etwa die Vermeidung unnötiger Datenverarbeitungen oder die Planung von Abfragen außerhalb von Lastspitzen.
Dieses gemeinsame Bewusstsein innerhalb der Krankenhausgemeinschaft ist entscheidend, um Daten- und KI-Strategien langfristig auf einen wirklich nachhaltigen Entwicklungspfad auszurichten.
Gesundheitsdaten bieten enorme Möglichkeiten, die Versorgungsqualität, Forschung und Prävention zu verbessern. Ihre Nutzung basiert jedoch auf einer materiellen und energetischen Infrastruktur, deren Umweltauswirkungen häufig unterschätzt werden. Rechenzentren, Server und Netzwerke verbrauchen erhebliche Mengen an Energie, während ihre Herstellung seltene und umweltbelastende Rohstoffe erfordert.
Gleichzeitig stehen konkrete Lösungen zur Verfügung, um diesen Fußabdruck zu reduzieren: die Entwicklung ressourcenschonenderer Infrastrukturen, die Nutzung erneuerbarer Energien, ein optimiertes Datenmanagement sowie die Förderung digitaler Nachhaltigkeit über den gesamten Datenlebenszyklus hinweg. Die Herausforderung ist nicht nur technischer Natur. Ebenso wichtig sind Qualifizierung, Sensibilisierung und die dauerhafte Verankerung dieser Maßnahmen in der Krankenhauskultur.
Derzeit befindet sich das Thema in Gesundheitseinrichtungen noch in einer frühen Entwicklungsphase. Einige Krankenhäuser erkennen jedoch bereits den Mehrwert, Umweltaspekte in ihre Digitalstrategie zu integrieren: nicht nur zur Verringerung ihres CO₂-Fußabdrucks, sondern auch zur Optimierung ihrer Infrastrukturen, zur Kostenkontrolle und zur Verbesserung ihrer Datengovernance.
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Über die Autorin,
Annabelle, Consultant in Alcimeds Innovations- und Public Policy Team in Frankreich