Die Stärkung der ambulanten Versorgung
Im Rahmen des Gesetzes zur „Modernisierung unseres Gesundheitssystems“ leitete die französische Regierung im Jahr 2016 die Verlagerung von intraklinischen Aktivitäten hin zu Tageskliniken und zur wohnortnahen Versorgung ein. Dieses Versorgungsmodell ist sowohl effizienter für das Gesundheitssystem als auch reibungsloser für die Patienten.
Gleichzeitig hat die Versorgung komplexerer Erkrankungen in den letzten Jahren eine regelrechte Revolution erlebt, da sich die Patientenpfade zunehmend in Richtung häuslicher oder wohnortnaher Betreuung verlagern. Die Entwicklung weniger invasiver Technologien – wie subkutane Applikationen oder orale Chemotherapien in der Immunonkologie – hat es ermöglicht, Behandlungen auszulagern, die zuvor ausschließlich im Krankenhaus durchgeführt wurden.
Die mit dem ambulanten Wandel einhergehenden multidisziplinären Versorgungsansätze zeigen zudem positive Auswirkungen, insbesondere bei chronischen Erkrankungen, deren Prävalenz weiterhin steigt. So führt etwa ein multidisziplinärer Ansatz bei Herzinsuffizienz zu einer Reduktion der Gesamtmortalität (–17 %), aller Krankenhauseinweisungen (–30 %) und der Einweisungen aufgrund von Herzinsuffizienz (–43 %).
Es ergibt sich somit ein doppeltes Ziel: die Verlagerung der Versorgung und gleichzeitig die Ausweitung des Patienten-Managements. Dies erfordert eine enge Koordination zwischen den verschiedenen beteiligten Akteuren. In diesem Kontext sind nach und nach mehrere Initiativen entstanden, die Patienten in besonders risikoreichen Situationen (chronische Erkrankungen, geografische Isolation, ältere Menschen, multimorbide Patienten etc.) echte Chancen eröffnen.
Im Folgenden stellen wir drei Initiativen vor, die den Nutzen eines umfassenderen und koordinierten Versorgungsansatzes verdeutlichen.
Initiative Nr. 1: multiprofessionelle Gesundheitszentren zur Erweiterung des Patienten-Managements und zur Verbesserung des Zugangs zur Versorgung
Eingeführt im Jahr 2007, um Versorgungsungleichheiten im ganzen Land zu begegnen, bündeln multiprofessionelle Gesundheitszentren (sogenannte MSPs) die Aktivitäten der Primärversorgung in einer einzigen Einrichtung und tragen so dazu bei, Unterbrechungen im Patientenpfad zu reduzieren. Über den Zugang zur Versorgung in unterversorgten Gebieten hinaus ermöglichen MSPs ein umfassenderes Krankheitsmanagement (psychologische Unterstützung, Rehabilitation, Pflegeleistungen, technische Maßnahmen), indem sie mehrere Disziplinen unter einem Dach vereinen.
Heute gibt es in Frankreich 2.501 multiprofessionelle Gesundheitszentren – ein Wert, der sich zwischen 2008 und 2020 um +1.300 erhöht hat. Diese Dynamik stellt eine echte Chance für die Entwicklung multidisziplinärer Versorgung dar, wie auch der MSP-Plan 2027 bestätigt, der 4.000 Zentren zum Ziel hat.
Initiative Nr. 2: multidisziplinäre Tagesklinik-Ansätze für eine ganzheitliche Versorgung im Krankenhaus
Um die Entwicklung der Tageskliniken (sogenannte HDJ) zu fördern, führte die Generaldirektion für das Gesundheitswesen 2020 ein neues Finanzierungsmodell ein, das die Bündelung von mindestens drei Interventionen während eines einzigen Krankenhausaufenthalts am selben Tag im Rahmen eines multidisziplinären ambulanten Versorgungspfades ermöglicht.
Mit einem ganzheitlichen Ansatz, der die verschiedenen Dimensionen einer Erkrankung (psychologisch, diätetisch, ernährungsbezogen etc.) berücksichtigt, legt dieses neue Organisationsmodell besonderen Wert auf therapeutische Aufklärung und die Therapietreue der Patienten. Dabei werden koordinierende Funktionen sowie Interventionen wie die klinische Pharmazie (z. B. durch Medikationsabgleiche und -reviews) vollständig anerkannt.
Eine umfassende Betreuung im Rahmen eines einzigen Aufenthalts in einer Tagesklinik wirkt sich positiv auf die Therapietreue sowie auf die Reduzierung unerwünschter Effekte und vermeidbarer Krankenhauseinweisungen aus.
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Initiative Nr. 3: regionale Gesundheitsgemeinschaften zur Strukturierung der lokalen Versorgung
Ein weiterer zentraler Bestandteil des Plans MaSanté2022 ist die Entwicklung regionaler multiprofessioneller Gesundheitsgemeinschaften (sogenannte Communautés Professionnelles Territoriales de Santé, CPTS), die darauf abzielen, medizinische Herausforderungen auf lokaler Ebene anzugehen – im Gegensatz zu Gesundheitszentren, die sich an den Bedürfnissen einer bestimmten Patientenpopulation orientieren.
Diese CPTS vereinen alle Akteure des Gesundheitswesens- und Sozialwesens in einer Region – unabhängig davon, ob sie privat oder öffentlich, im ambulanten Bereich oder im Krankenhaus tätig sind. Im Unterschied zu Primärversorgungsstrukturen bieten CPTS selbst keine direkte Versorgung, sondern beschäftigen sich mit der lokalen Koordination der Akteure und Dienstleistungen. Sie erfüllen sechs Hauptaufgaben, darunter die Organisation multiprofessioneller Versorgungspfade rund um Patienten, um Unterbrechungen im Versorgungsprozess zu vermeiden (z. B. nach Krankenhausentlassungen, bei Langzeiterkrankungen, chronischen Erkrankungen etc.).
Ihre Ausgestaltung stößt jedoch auf regionale Herausforderungen (medizinische Wüsten, ungleiche lokale Netzwerke), wie der „Tour de France“-Bericht zur Lage der CPTS-Dynamik 2024 beschreibt. Ursprünglich war geplant, bis Ende 2023 100 % der Bevölkerung abzudecken; aktuell werden jedoch nur 55 % erreicht, mit 444 offiziell erfassten Strukturen (ohne nicht formalisierte Projekte) von den ursprünglich vorgesehenen 1.000. Als Hindernisse werden u. a. fehlende personelle und finanzielle Ressourcen (insbesondere in Zonen mit Versorgungslücken) sowie ein noch eingeschränkter Dialog zwischen ambulanten und stationären Akteuren genannt, was die Koordination erschwert.
Getrieben durch den ambulanten Wandel im französischen Gesundheitssystem spiegeln multidisziplinäre Versorgungspfade eine umfassendere Definition von Versorgung wider (z. B. Krankheitsverlauf, psychisches Wohlbefinden, therapeutische Aufklärung). Sie wird nicht länger in Gemeinde-, Krankenhaus- oder Gesundheits- und Sozialversorgung unterteilt, sondern folgt einer einheitlichen medizinischen Logik.
Wie die Beispiele der MSP, HDJ und CPTS zeigen, bringt die Einbindung einer Vielzahl von Akteuren jedoch erhebliche organisatorische Herausforderungen für das Gesundheitssystem mit sich.
Wir bei Alcimed sind überzeugt, dass eine effektive Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsfachkräften es ermöglichen wird, diese Herausforderungen zu meistern. Gerne begleiten wir Sie dabei, die Chancen multidisziplinärer Ansätze zu identifizieren. Kontaktieren Sie unser Team!
Über den Autor,
Pierre-Louis, Consultant in Alcimeds Healthcare Team in Frankreich