Welche Symptome können bei PCOS auftreten?
PCOS geht mit einer Vielzahl von Symptomen einher, die von Frau zu Frau stark variieren können. Zu den am häufigsten beobachteten Symptomen gehören:
- Unregelmäßige Menstruationszyklen: Frauen mit PCOS haben oft seltene, unregelmäßige oder verlängerte Zyklen.
- Hyperandrogenismus: Erhöhte Spiegel männlicher Hormone (Androgene*) können Symptome wie Hirsutismus (übermäßiges Haarwachstum nach männlichem Muster im Gesicht und am Körper), starke Akne und Haarausfall nach männlichem Muster verursachen.
- Polyzystische Ovarien: PCOS ist gekennzeichnet durch zahlreiche kleine Zysten in den Eierstöcken. Diese mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen setzen die Eizellen nicht regelmäßig frei, sodass diese in den Eierstöcken verbleiben. Die betroffenen Ovarien können leicht vergrößert sein; häufig sind beide Eierstöcke betroffen.
- Gewichtsschwankungen und Prädiabetes: Viele Frauen mit PCOS nehmen insbesondere im Bauchbereich zu und kämpfen mit Gewichtsschwankungen aufgrund hormoneller Ungleichgewichte. Zudem haben sie ein erhöhtes Risiko für Prädiabetes, d. h. einen erhöhten Blutzuckerspiegel, der jedoch noch nicht im Bereich von Diabetes liegt. Ursache ist meist eine Insulinresistenz, die unbehandelt zu Typ-2-Diabetes führen kann.
- Unfruchtbarkeit: Unregelmäßige Ovulation ist eine häufige Ursache für Unfruchtbarkeit bei PCOS.
Weitere mögliche Symptome sind dunkle Hautflecken (Acanthosis nigricans), Müdigkeit sowie psychische Belastungen wie Depressionen und Angststörungen.
Wie wird PCOS aktuell diagnostiziert?
Die Diagnose von PCOS erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und diagnostischen Tests. Am weitesten verbreitet sind die Rotterdam-Kriterien, die das Vorliegen von mindestens zwei der folgenden drei Merkmale erfordern:
- Hyperandrogenismus: Erhöhte männliche Hormonspiegel, erkennbar z. B. durch Akne oder übermäßiges Haarwachstum; kann durch Bluttests bestätigt werden.
- Unregelmäßige oder ausbleibende Menstruation: Dazu zählen seltene oder sehr lange Zyklen.
- Polyzystische Ovarien: Eine Ultraschalluntersuchung zeigt mehrere kleine Zysten an den Eierstöcken.
Trotzdem bleibt PCOS in rund 70 % der Fälle unterdiagnostiziert. Viele Frauen erhalten ihre Diagnose erst nach langen Verzögerungen – aufgrund fehlender Sensibilisierung bei medizinischem Personal oder der stark variierenden Symptomatik. Diese Diagnoseverzögerung kann dazu führen, dass Symptome und Gesundheitsrisiken über Jahre hinweg unkontrolliert bleiben.
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Aktuelle Behandlungsoptionen
Bislang existieren keine Therapien, die die Ursachen von PCOS gezielt behandeln. Die derzeitige Behandlung ist symptomorientiert und zielt darauf ab, das Risiko langfristiger Komplikationen zu verringern. Die Therapie wird individuell an die Beschwerden und Wünsche der Patientinnen angepasst.
Lebensstiländerungen
Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung fördern Gewichtsreduktion, verbessern die Insulinsensitivität, senken den Androgenspiegel und können den Zyklus regulieren. Schon ein Gewichtsverlust von 5–10 % des Körpergewichts kann deutliche positive Effekte haben.
Medikamentöse Behandlung
- Hormonelle Kontrazeptiva: Kombinierte orale Verhütungsmittel mit Östrogen und Gestagen regulieren den Zyklus, senken den Androgenspiegel und lindern Symptome wie Akne und Hirsutismus. Für Frauen, die kein Östrogen einnehmen können, gibt es reine Gestagenpräparate, die ebenfalls den Zyklus regulieren und vor Endometriumkarzinom schützen. Diese hormonellen Kontrazeptiva sind die Therapie der ersten Wahl bei PCOS.
- Antiandrogene: Wirkstoffe wie Spironolacton blockieren die Wirkung von Androgenen und reduzieren so Haarwuchs und Akne.
- Metformin: Ursprünglich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes eingesetzt, verbessert Metformin die Insulinsensitivität, kann beim Abnehmen helfen und unterstützt die Regulierung des Eisprungs.
- Fruchtbarkeitsmedikamente: Bei unerfülltem Kinderwunsch kommen Clomifen oder Letrozol zur Ovulationsinduktion zum Einsatz. Wenn diese nicht wirken, können Gonadotropine (FSH) oder eine In-vitro-Fertilisation (IVF) erwogen werden.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten
- Haarentfernung: Lasertherapie oder Elektrolyse bei Hirsutismus.
- Akne-Therapie: Topische oder orale Medikamente gegen schwere Akne.
Zukunftstrends und neue Medikamente in der Entwicklung
Mit dem Fortschritt in der Forschung und dem besseren Verständnis von PCOS entwickeln sich auch die Therapieansätze weiter. Ziel ist es, künftig ursachenorientierte Therapien bereitzustellen.
Neue Ansätze in der Forschung
- GnRH-Antagonisten: Wirkstoffe wie Elagolix (AbbVie Inc.) werden derzeit für die Behandlung des polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS) untersucht. Diese Substanzen hemmen die Freisetzung von FSH und luteinisierendem Hormon (LH), doch Phase-II-Studien zeigten bislang nur begrenzten Erfolg bei der Normalisierung ovulatorischer Zyklen. Während Elagolix allein nur eine geringe Wirksamkeit bei der Follikelentwicklung und der Regulation des Menstruationszyklus aufweist, bestehen hohe Erwartungen an zukünftige Forschungsansätze, die alternative Dosierungsschemata und Kombinationstherapien in den Fokus rücken.
- Neurokinin-B-Rezeptorantagonismus: Phase-II-Studien mit dem NK3-Rezeptorantagonisten Fezolinetant (Astellas Pharma) konnten dessen Wirksamkeit bei der Senkung der LH- und Testosteronspiegel sowie des LH/FSH-Quotienten bei PCOS-Patientinnen nachweisen. Dies deutet auf ein mögliches Potenzial des Kisspeptin-Neurokinin-B-(NKB)-Antagonismus als Behandlungsoption hin, wenngleich weitere Forschung notwendig ist, um die Wirksamkeit zu bestätigen und die klinischen Implikationen zu klären.
- Sodium-Glucose-Co-Transporter-Typ 1 und 2 (SGLT1/2): Der Einsatz von SGLT1/2-Inhibitoren wie Licogliflozin (Novartis) zur Behandlung von Insulinresistenz hat sich als wirksam bei der Linderung von PCOS-Symptomen erwiesen, insbesondere durch die Senkung von Glukose-, Insulin- und Androgenspiegeln. Phase-II-Studien zeigen, dass Licogliflozin Glukose, Insulin, Androstendion (A4) und DHEAS-Werte bei PCOS-Patientinnen effektiv reduziert. Dies spricht für ein Potenzial von SGLT1/2-Inhibitoren als Therapieoption, wobei jedoch weitere Studien erforderlich sind, um diese Ergebnisse zu bestätigen und deren Einfluss auf die Ovulation und die klinischen Gesamtergebnisse zu bewerten.
- Artemisinin: Als bekanntes Anti-Malaria-Medikament wurde Artemisinin bereits hinsichtlich seiner potenziellen Effekte auf Fettgewebe in Mausmodellen untersucht. Darüber hinaus konnten Forscher der Universität Shanghai symptomlindernde Effekte bei Mäusen mit einer PCOS-ähnlichen Erkrankung feststellen. Dies führte zur Einleitung einer ersten klinischen Studie, deren Ergebnisse zeigten, dass Artemisinin bei Frauen mit PCOS wirksam die Androgen- und AMH-Spiegel senkt und zugleich die Regelmäßigkeit der Menstruationszyklen fördert.
Zukunft der Diagnostik – verbesserte Tests
Die Diagnostik entwickelt sich hin zu einfacheren und weniger invasiven Verfahren. Roche Diagnostics hat den Elecsys AMH Plus Immunoassay entwickelt, einen Bluttest zur Bestimmung des Anti-Müller-Hormons (AMH). Er bietet eine nicht-invasive Alternative zum transvaginalen Ultraschall und ist in die aktualisierten Rotterdam-Kriterien 2023 eingeflossen.
Metabolon (USA) erhielt 2023 eine NIH-Förderung, um einen metabolom-basierten PCOS-Test zu entwickeln, der spezifische Stoffwechsel-Biomarker identifizieren soll.
Diese Innovationen sind ein bedeutender Schritt zur Verringerung der hohen Unterdiagnosequote von PCOS (bis zu 70 %). Durch vereinfachte, patientinnenfreundlichere Tests könnten Diagnosen künftig schneller und häufiger gestellt werden.
Das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine komplexe endokrinologische Erkrankung mit breitem Symptom- und Komplikationsspektrum. Die aktuellen Therapien sind überwiegend symptomorientiert und verbessern vor allem die Lebensqualität. Die laufende Forschung und Arzneimittelentwicklung eröffnen jedoch vielversprechende Perspektiven für wirksamere, ursachenorientierte Therapieansätze. Wir von Alcimed begleiten Sie gerne bei Ihren Projekten in diesem Bereich. Kontaktieren Sie unser Team!
Über die Autorinnen,
Mikka, Senior Consultant in Alcimeds Life Sciences Team in Deutschland
Lisa, Senior Consultant in Alcimeds Life Sciences Team in Deutschland
*Androgene sind Hormone, die die Entwicklung männlicher Geschlechtsmerkmale steuern.