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3 Herausforderungen der Value-based Care

Veröffentlicht am 24 August 2026 Lesen 25 min

Value-based Care (VBC) zielt darauf ab, die für Patienten relevanten Behandlungsergebnisse und Erfahrungen im Verhältnis zu den eingesetzten Ressourcen zu maximieren. Die Centers for Medicare & Medicaid Services definieren VBC als ein Modell, das auf die Verbesserung der Versorgungsqualität, der Leistungserbringung und der Patientenerfahrung ausgerichtet ist und bei dem Ärzte gemeinsam daran arbeiten, die Gesundheit eines Menschen ganzheitlich zu steuern. In diesem Zusammenhang bezieht sich „Value“ nicht nur auf die klinische Wirksamkeit, sondern auch darauf, was Patienten bei ihren Behandlungsergebnissen tatsächlich wichtig ist.

Angesichts steigender Gesundheitskosten, einer alternden Bevölkerung und der zunehmenden Belastung durch chronische Erkrankungen hat sich VBC als vielversprechende Alternative zu traditionellen volumenbasierten Versorgungsmodellen etabliert. Trotz der großen theoretischen Vorteile bleibt die Skalierung von VBC über Pilotprogramme hinaus jedoch eine Herausforderung. In diesem Artikel beleuchten wir von Alcimed drei zentrale Aspekte, die maßgeblich darüber entscheiden, ob VBC sein Potenzial tatsächlich ausschöpfen kann.

Was ist Value-based Care?

Im Kern stellt VBC eine einfache, aber anspruchsvolle Frage: Sind Patienten aufgrund der erhaltenen Versorgung tatsächlich gesünder, und setzt das Gesundheitssystem seine Ressourcen effizient ein, um dieses Gesundheitsniveau zu erreichen? Michael Porter definierte Value als die erzielten Behandlungsergebnisse pro eingesetztem Dollar und betonte, dass Value über den gesamten Versorgungspfad hinweg und nicht anhand isolierter Leistungen oder Verfahren bewertet werden muss.

In der Praxis erfordert dies die Messung von Ergebnissen, die für Patienten relevant sind, wie etwa der Selbstständigkeit im Alltag und die Lebensqualität, sowie eine Anpassung der Vergütungssysteme, um Koordination, Prävention und langfristige Auswirkungen zu fördern. Organisationen wie die OECD weisen darauf hin, dass viele VBC-Modelle auf gebündelten Vergütungen oder Shared-Savings-Modellen basieren, durch die ein Teil des finanziellen Risikos auf die Leistungserbringer übertragen wird. Dadurch werden leistungsfähige Datensysteme und Kompetenzen im Risikomanagement unerlässlich.

Auch der NHS England definiert Value-based Healthcare als einen Ansatz zur Reduzierung ungerechtfertigter Unterschiede in der Versorgung und zur Sicherstellung, dass der richtige Patient zum richtigen Zeitpunkt die richtige Versorgung erhält und die verfügbaren Ressourcen effizient eingesetzt werden. Auch wenn die Definitionen variieren können, bleibt das zugrunde liegende Prinzip gleich: Die Gesundheitsversorgung sollte anhand der erzielten Behandlungsergebnisse im Verhältnis zu ihren Kosten bewertet werden.

Herausforderung Nr. 1: Ergebnisse messen, die für Patienten relevant sind

VBC kann ohne eine zuverlässige Messung nicht funktionieren. Die Definition und Erfassung aussagekräftiger Behandlungsergebnisse bleibt jedoch eine große Herausforderung. Traditionelle Gesundheitssysteme basieren auf klinischen Indikatoren und Prozesskennzahlen, die nicht immer widerspiegeln, was Patienten am wichtigsten ist, etwa ihre Lebensqualität oder ihr langfristiges Wohlbefinden.

Um diese Lücke zu schließen, zielen Initiativen wie die OECD Patient-Reported Indicator Surveys (PaRIS) darauf ab, patientenberichtete Behandlungsergebnisse und Erfahrungen (PROMs und PREMs) insbesondere beim Management chronischer Erkrankungen zu standardisieren. Diese Instrumente stellen einen wichtigen Schritt hin zu einer stärker patientenzentrierten Bewertung dar.

Ein bekanntes Beispiel ist das Erasmus MC, das PROMs wie die Lebensqualität mithilfe digitaler Tools und multidisziplinärer Teams in die reguläre Versorgung integriert. Dieser Ansatz ermöglicht es, Probleme von Patienten früher zu erkennen und stärker personalisierte Behandlungsentscheidungen zu unterstützen.

Dieses Beispiel verdeutlicht jedoch auch eine zentrale Einschränkung von VBC. Zwar verbessern PROMs die Kommunikation zwischen Patienten und Ärzten, führen aber nicht immer zu besseren Behandlungsergebnissen. Zudem sind die Rücklaufquoten weiterhin unterschiedlich, und die erhobenen Daten werden in der klinischen Praxis nicht immer effektiv genutzt. Grundsätzlicher besteht nach wie vor kein klarer Konsens darüber, welche Ergebnisse priorisiert werden sollten oder wie sie mit den Kosten verknüpft werden sollten. Selbst fortschrittliche Einrichtungen haben daher Schwierigkeiten, Messungen in einen tatsächlichen Mehrwert zu überführen.

Herausforderung Nr. 2: Datenfragmentierung und mangelnde Interoperabilität überwinden

VBC hängt davon ab, dass Patientendaten über den gesamten Versorgungspfad hinweg erfasst, ausgetauscht und analysiert werden können. In der Realität sind Gesundheitssysteme jedoch weiterhin stark fragmentiert. Daten sind auf Krankenhäuser, Hausärzte, Labore und Apotheken verteilt und werden häufig in inkompatiblen IT-Systemen gespeichert.

Diese Fragmentierung schränkt sowohl die Koordination der Versorgung als auch die Messung von Behandlungsergebnissen ein. Ärzten fehlt häufig der vollständige und kontinuierliche Überblick über den Patienten, wodurch es schwieriger wird, die Wirksamkeit einer Behandlung zu beurteilen oder fundierte Entscheidungen zu treffen. Selbst wenn relevante Daten vorhanden sind, werden sie nicht durchgängig integriert oder zur Steuerung der Versorgung genutzt.

Wenn ein Patient beispielsweise zwischen verschiedenen Leistungserbringern wechselt, sind wichtige Informationen wie frühere Behandlungen, Behandlungsergebnisse oder Ergebnisse von Nachuntersuchungen möglicherweise nicht vollständig zugänglich. Dies kann zu Doppeluntersuchungen, Verzögerungen in der Versorgung oder suboptimalen Behandlungsentscheidungen führen. Unter diesen Bedingungen ist es nahezu unmöglich, Behandlungsergebnisse über den gesamten Versorgungspfad hinweg zu messen, was für VBC essenziell ist.

Letztlich untergräbt die mangelnde Interoperabilität die Grundlage von Value-based Care. Ohne integrierte und longitudinal verfügbare Daten können Gesundheitssysteme ihre Leistung nicht zuverlässig bewerten und keine Möglichkeiten zur Verbesserung des „Value“ identifizieren.


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Herausforderung Nr. 3: Vergütungsmodelle entwickeln und finanzielle Risiken aufeinander abstimmen

Eine weitere zentrale Herausforderung liegt in der Gestaltung von Vergütungsmodellen und der Abstimmung finanzieller Anreize zwischen den verschiedenen Akteuren. Im Gegensatz zu traditionellen Fee-for-Service-Systemen erfordert VBC Vergütungsstrukturen, die Behandlungsergebnisse statt Leistungsvolumen honorieren und häufig auf Shared-Savings-Modellen oder gebündelten Vergütungen basieren.

Die Entwicklung solcher Modelle ist jedoch komplex und kann unbeabsichtigte Konsequenzen haben. Leistungserbringer müssen häufig finanzielle Risiken übernehmen, die an die Behandlungsergebnisse ihrer Patienten geknüpft sind. Dies führt zu Unsicherheit und kann das Verhalten beeinflussen. Sind die Anreize nicht richtig ausgestaltet, könnten Leistungserbringer Hochrisiko- oder komplexe Patienten vermeiden oder sich zu stark auf messbare Indikatoren statt auf das allgemeine Wohlbefinden der Patienten konzentrieren.

Diese Herausforderung zeigt sich am Beispiel der Einführung gebündelter Vergütungen für Hüft- und Knieprothesen in der Region Stockholm. Im Rahmen dieses Modells erhalten Leistungserbringer eine feste Vergütung, die den gesamten Versorgungspfad abdeckt und dadurch Effizienz und Koordination fördern soll.

Die Reform führte zu Kostensenkungen und stärker standardisierten Versorgungsprozessen und zeigte damit das Potenzial von VBC. Sie erforderte jedoch auch eine sorgfältige Ausgestaltung, um sicherzustellen, dass die Versorgungsqualität erhalten blieb und Leistungserbringer keine Risikoselektion betrieben. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass eine Reform der Vergütungsmodelle zwar für VBC entscheidend ist, aber durch robuste Schutzmechanismen und geeignete Risikoadjustierungsverfahren ergänzt werden muss, um unbeabsichtigte Effekte zu vermeiden.

Value-based Care bietet eine überzeugende Vision für die Zukunft des Gesundheitswesens, doch die Umsetzung bleibt komplex und anfällig. Der Erfolg hängt nicht nur vom Konzept selbst ab, sondern auch davon, ob Gesundheitssysteme die notwendige Infrastruktur aufbauen können.

Eine zuverlässige Messung von Behandlungsergebnissen, integrierte Datensysteme und gut konzipierte finanzielle Anreize sind allesamt wesentliche Komponenten und eng miteinander verknüpft. Schwächen in nur einem dieser Bereiche können das gesamte Modell beeinträchtigen. Wir von Alcimed begleiten Akteure, die an Projekten im Zusammenhang mit Value-based Care arbeiten. Lassen Sie uns gemeinsam die Zukunft gestalten. Kontaktieren Sie unser Team.


Über die Autorin,

Chaoyue, Senior Consultant Lead im Life-Sciences-Team von Alcimed in Frankreich

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